0

Buchtipps - Sommer-Lese 2021

Eine große Auswahl schöner Kalender für das Jahr 2022 gibt es in unserer Buchhandlung.

Ein Sonntagskind war Helga am 7. Januar 1940. Das sagte die Mutter ihr immer wieder. Als Helga ein Jahr alt war, fiel der Vater im Krieg. Später wird die Mutter ihr einbläuen: weder hat sie ihre Tochter abgetrieben noch sie im Zweiten Weltkrieg auf der Flucht zurückgelassen noch sie erschossen, als die Russen einmarschierten. Mehr als zehn Jahre steht Helga Schubert unter Beobachtung der Stasi, bei ihrer ersten freien Wahl ist sie fast fünfzig Jahre alt.

In der kleinen Stadt Prairie Hall in Kansas (USA) steht 2008 nach einem Tornado kein Stein mehr auf dem anderen. Nur die Fassade der ehemaligen Carnegie-Bibliothek blieb wundersamer Weise stehen. Aus unterschiedlichen Gründen verschlägt es die drei Protagonistinnen in das Nachbarstädtchen New Hope.

Auf knapp 200 Seiten erzählt Modick in Fahrtwind die Geschichte „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Eichendorff neu. Modicks Ich-Erzähler erinnert sich an einen Seminarraum in seiner Universität in den 70er-Jahren und an die Begegnung mit Eichendorffs Taugenichts in Form eines Reclam-Heftes. Die Begeisterung für den Jungen, der nicht fleißig und nützlich sein will, sondern unangepasst und frei, hat er nie vergessen.

Arno Strobel spürt seine Themen meist im Alltag auf und erst dann, wenn ihn eine Idee nicht mehr loslässt und er den Hintergründen mit Hilfe von Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass ist der Beginn für seinen nächsten Roman.

Bretagne-Freunde aufgepasst! Alexander Oetker ist Journalist, Frankreichkorrespondent und Kenner des Landes. Seine Liebe zur Bretagne wird mit jeder Zeile deutlich.

Für alle Freunde des britischen Humors liefert Richard Osman mit seinem Debutroman „Der Donnerstagsmordclub“ beste Unterhaltung. Das mitunter verschrobene Ermittlerteam besteht aus vier Senioren und Seniorinnen, die allesamt in einer luxuriösen Residenz in der idyllischen Grafschaft Kent leben. Sie alle gehören zum Donnerstagsclub, der zum Zeitvertreib ungelöste Kriminalfälle studiert und aufklärt.

Nachdem mich Susann Pásztor bereits 2017 mit dem außergewöhnlichen Roman „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ sehr berührt hat, habe ich mich auf ihr neues Buch sehr gefreut. Schwierige Themen greift die Autorin realistisch auf und auf bemerkenswerte Weise gelingt es ihr, Schweres leicht und berührend zu erzählen. Ihre Charaktere sind keine Helden, sondern Menschen auf der Suche, gescheitert zerbrechlich, aber auch lebensbejahend und humorvoll. Ob sie über Sterbebegleitung oder zerbrochene Freundschaften spricht, es geht immer um alles.

Es sind ganz besondere Kunden, denen der Buchhändler Carl Kollhoff ihre bestellten Bücher nach Hause bringt, abends nach Geschäftsschluss, auf einem Spaziergang. Diese Menschen, die er nach Romanfiguren benennt: Effi Briest, Frau Langstrumpf…, sind für ihn fast wie Freunde und er ist oft ihre wichtigste Verbindung zur Welt. Als Karl ein großer Schicksalsschlag widerfährt, stellt sich für ihn die Frage, ob er durch die Macht der Bücher und mit der Hilfe eines ebenso klugen wie vorlauten neunjährigen Mädchens das Glück im Leben wiederfinden kann.

Judith Hermann erzählt in ihrem Roman von einer Frau, die ein neues Leben an einem einsamen Ort am Meer anfängt. Die namenlos bleibende Ich-Erzählerin erinnert sich an eine Phase ihres Lebens, die 30 Jahre zurück liegt. Ihre einförmige Arbeit in einer Zigarettenfabrik bestand darin, darauf zu achten, dass der Tabakstrang schnurgerade in die Maschine einlief. Nur angedeutet wird der biografische Hintergrund der Frau. Aufgrund bestimmter Worte wie „Einraumwohnung“ lässt sich erahnen, dass die Protagonistin aus Ostdeutschland stammt. Jetzt lebt sie im Westen, wie sie vage erzählt.